Stellungnahme des Freundeskreis Deutscher Entwicklungsdienste e.V. zur Einstellung der Entsendung von Entwicklungshelfer:innen nach dem EhfG

Mit großem Bedauern nimmt der Freundeskreis Deutscher Entwicklungsdienste e.V. (FDE) zur Kenntnis, dass die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Entsendung von Entwicklungshelfer:innen nach dem Entwicklungshelfergesetz (EhfG) eingestellt hat.
Auch Brot für die Welt/Dienste in Übersee bereitet die Beendigung dieses Instruments vor; bei AGIAMONDO werden ähnliche Überlegungen angestellt. Damit steht die personelle Entwicklungszusammenarbeit, jahrzehntelang ein Markenzeichen partnerschaftlicher deutscher EZ, vor einem tiefgreifenden Umbruch.

Ein Einschnitt mit Folgen
Die Entscheidung der GIZ, keine Fachkräfte im Entwicklungsdienst mehr zu entsenden, ist Ergebnis eines längeren Prozesses aus strukturellen und finanziellen Zwängen. Ein Hauptgrund sind drastische Haushaltskürzungen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Der Etat sinkt 2026 auf unter zehn Milliarden Euro – mit gravierenden Folgen für Programme, Partnerorganisationen und Personal.
Die Folge ist nicht nur ein administrativer Einschnitt, sondern ein politisches Signal: Der Wille, personelle Zusammenarbeit als eigenständiges und wirkungsvolles Instrument zu erhalten, schwindet. Damit verliert Deutschland an Glaubwürdigkeit und Gestaltungskraft gegenüber seinen Partnerländern – gerade im Vergleich zu Staaten wie der Schweiz oder Skandinavien, die personelle Kooperation strategisch weiterentwickeln.

Verlust eines bewährten Instruments
Die personelle Entwicklungszusammenarbeit war mehr als ein Einsatz von Fachkräften: Sie stand für gelebte Partnerschaft, für Wissenstransfer auf Augenhöhe und langfristige Beziehungen. Tausende Fachkräfte haben mit Partnerorganisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika dazu beigetragen, lokale Kapazitäten zu stärken und soziale Strukturen aufzubauen. Mit der Einstellung der Entsendung geht ein Stück entwicklungspolitischer Identität verloren – und eine Brücke zwischen globalem Norden und Süden reißt ab.

Auswirkungen im Globalen Süden
Partnerorganisationen verlieren durch den Wegfall der personellen Zusammenarbeit nicht nur Expertise, sondern auch die Kontinuität langfristiger Partnerschaften. Besonders in den Bereichen Konfliktprävention, Klimaschutz oder sozialer Wiederaufbau gingen wertvolle Impulse verloren. Gerade in einer Zeit globaler Krisen wäre eine Stärkung, nicht der Rückbau solcher Kooperationen nötig.

Weg in die Zukunft
Der FDE fordert, personelle Zusammenarbeit nicht aufzugeben, sondern sie neu zu konzipieren. Bewährte Programme wie der Zivile Friedensdienst zeigen, dass Einsätze unter schwierigen Bedingungen möglich und wirksam bleiben. Ebenso gilt es, Freiwilligendienste wie „weltwärts“ sowie digitale Austauschformate auszubauen. Modelle fairer Migration – etwa im Pflegebereich – können neue Formen gegenseitiger Kooperation schaffen, solange sie an partnerschaftlichen Prinzipien orientiert bleiben. Der FDE appelliert deshalb an die Bundesregierung, die personelle Entwicklungszusammenarbeit wieder als zentralen Pfeiler einer glaubwürdigen, solidarischen Entwicklungspolitik anzuerkennen.

Engagement des FDE
Als Netzwerk ehemaliger und aktiver Entwicklungshelfer:innen und Mitarbeiter:innen der Entsendedienste setzt sich der FDE dafür ein, Erfahrungen und Kompetenzen dieser Akteursgruppe zu sichern und sichtbar zu machen. Durch Beratung, politische Lobbyarbeit und internationale Vernetzung will der FDE dazu beitragen, neue Modelle personeller Zusammenarbeit zu entwickeln, die den Prinzipien der Agenda 2030 und der globalen Partnerschaft gerecht werden.

Freundeskreis Deutscher Entwicklungsdienste e.V., März 2026